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Malteser Moers bis Xanten

Probe für den Notfall

Malteser Hilfsdienst Moers-Xanten zu Gast in LVR-Wohnverbund/Einsatzübung für den Notfall/Berührungsängste sind unnötig

04.03.2020
Übung macht den Meister

Voerde-Spellen. Irgendetwas muss hier passiert sein. Da liegt ein Mann auf einem Tragetuch, hält sich die Hand an den Kopf, Sanitäter bringen ihn gerade aus dem Raum. Zum Rettungswagen? Nein, im Flur halten sie an, Kommando zurück, Tragetuch wieder absetzen - und der Mann lacht. Denn das, was nach einem Rettungseinsatz aussieht, ist an diesem Abend nur ein Spiel. Eine Art Informationsveranstaltung im LVR-Wohnverbund an der Friedrich-Wilhelm-Straße in Voerde-Spellen. Der Malteser Hilfsdienst Moers-Xanten ist zu Gast in dem Haus, in dem 22 Frauen und Männer mit geistiger und mehrfacher Behinderung leben. Von dem Abend profitieren beide Seiten: Die Bewohnerinnen und Bewohner lernen eine Menge über die Einsätze der Malteser und über Erste Hilfe, der Nachwuchs des Rettungsdienstes lernt, dass Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung absolut unnötig sind.

Dass die Malteser nach Spellen gekommen sind, hat einen Grund. Bettina Reul arbeitet im Wohnverbund des LVR-Verbund Heilpädagogischer Hilfen (LVR-Verbund HPH) als Heilerziehungspflegerin. In ihrer Freizeit ist sie bei den Maltesern aktiv und stellte den Kontakt her. „Bei unseren Einsätzen können wir immer wieder auf Menschen mit Behinderung treffen“, sagt Marcel Jansen, der Leiter der Sanitäts- und Notfallvorsorge. „Und dann ist es gut, wenn jede und jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat.“ Das habe ihm in seiner Ausbildung gefehlt.

Die jungen Leute, die Jansen an diesem Abend begleiten, sind nicht irgendeine Jugendgruppe, sondern ein Pilotprojekt. Jugendliche, die bereits Erfahrungen im Schulsanitätsdienst gesammelt haben, und jetzt als so genannte Sanitätseinsatzgruppe (SEG) ihre Ausbildung fortsetzen. Das Konzept dafür wurde von den Maltesern Moers-Xanten entwickelt.

Rund zehn Bewohnerinnen und Bewohner aus dem LVR-Wohnverbund sind in den großen Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss gekommen. Anfangs sind Gastgeber und Gäste etwas zurückhaltend, und manches müssen die Malteser-Jugendlichen auch erst lernen. Als Alexander Meier zum Beispiel gefragt wird, wie die Ausbildung läuft, startet er mit: „Die verschiedenen Positionen“ - ups, nicht gut. Bettina Reul geht auch gleich dazwischen: „Leichte Sprache, bitte!“ Und es geht, auch die Sanitäterausbildung lässt sich einfach und verständlich erklären.

Irgendwann ist das Eis ohnehin gebrochen, alle reden miteinander. Kevin Matenar, der Vertreter des Beirats im LVR-Wohnverbund, kennt sich gut aus. Kein Wunder, er interessiert sich schon lange für das Thema Rettungsdienste. Aber auch die anderen fragen und fragen und fragen. Da Theorie alleine langweilig ist, packt Marcel Jansen jetzt einen großen Rucksack aus. Mit Beatmungsmaske, mit Blutdruckmessgerät, mit Verbandsmaterial. Auch das Tragetuch kommt mehrfach zum Einsatz. „Ist ein bisschen wie Fliegen“, sagt eine Frau aus dem Wohnverbund nach der Runde durch den Flur. Am Ende gibt’s für alle, die möchten, noch einen Fingerkuppenverband. Einen ganz besonderen, denn die Malteser-Jugend verziert sie mit einem Smiley. Berührungsängste? Keine Spur. „Wir sind“, so Marcel Jansen, „doch alle nur Menschen."

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